Wieso werden hier Äpfel mit Birnen verglichen?
Die Sache ist eigentlich simpel: Mit Kollektivstrafen bestraft man alle, in der Hoffnung, dass die „schwarzen Schafe“ herausgefiltert werden. Nur – dieses Vorgehen löst das Problem nicht, im Gegenteil.
Ein Beispiel: Stell dir vor, du nimmst an der wöchentlichen Velotour deiner Firma teil. Einer aus der Gruppe fährt über eine Wiese. Am nächsten Tag berichtet die Zeitung pauschal, dass alle Teilnehmer dieser Velotour rücksichtslose Rowdys seien, denen man am besten lebenslang das Velofahren verbietet.
Dein Chef reagiert auf diesen Bericht und kündigt an, dass jeder, der auch nur ansatzweise mit solch einer „Schweinerei“ in Verbindung gebracht werden könnte, sofort entlassen wird. Eure Nachbarfirmen meiden euch schon, ohne die Hintergründe zu kennen. Weiterfahren dürft ihr nur, wenn ihr euch öffentlich distanziert und gleichzeitig einen Schuldigen präsentiert. Bis dahin gibt’s nur noch die Option „Velotour mit Stützrädern“.
Was wird damit erreicht?
- Der eigentliche „Wiesenfahrer“ wird durch den Druck vielleicht gar nicht gefunden.
- Statt einer Lösung entsteht Misstrauen und Spaltung innerhalb der Gruppe.
- Die mediale Übertreibung sorgt dafür, dass selbst Unbeteiligte einen Stempel bekommen.
- Die überhastete Reaktion des Chefs verschärft die Situation zusätzlich, anstatt sie zu entschärfen.
Genau hier liegt das Problem mit Kollektivstrafen: Sie bestrafen die Falschen, verschieben die Diskussion weg vom eigentlichen Fehlverhalten – und lösen die Ursachen überhaupt nicht.