Dies & Das

Garfield

Flaschenfüller
#21
Das Problem finde ich Billeter .. Alle scheinen ihn zu mögen .. ich find ihn einfach super bieder.. Mister Bünzli der gerne auf cool sein macht …
Schade ist Reto Müller nicht mehr dabei, der war Kult ! Der beste, kompetenteste, unterhaltsamste …
Ist irgendwo in der Versenkung verschwunden ..
Reto Müller arbeitet seit Feb.2021 beim SRF Sport!
 
#24
Keine Ahnung, wo das genau hingehört, aber heute ist ja die Liga-Versammlung, welche über die Zukunft der Ligagrösse entscheidet. Klausi gab auch noch sein Senf dazu:
https://www.watson.ch/sport/eismeis...ue-zu-einer-amateurliga-vieles-spricht-dafuer

Was ist eure Meinung? 12er, 14er oder gar 16er Liga?

Eigentlich finde ich die 14er Liga sinnvoll für die NL, jedoch für ambitionierte SL Teams mit einer entsprechenden Liga-Quali ziemlich aussichtslos.
Da dies auf dem Papier "nur" Olten und Visp sind, halte ich diese Variant für die SL für ziemlich schlecht. Auch der direkte Auf-/Abstieg halte ich für kaum zielführend:
1. wird es in der NL zu Panikinvestitionen kommen und Geld durch diese Angst sinnlos verbraten
2. ist es für ein SL Team nur in bestimmten Konstellationen und mit viel Glück möglich aufzusteigen (Rappi ist damals verdient und zurecht aufgestiegen, aber Millimeter haben darüber entschieden).

Aus meiner Sicht ist die 16er Liga am sinnvollsten:
1. gibt es genügend Platz für Junge sich in der höchsten Liga zu präsentieren
2. würde die SL zwar einen Schritt zurück gehen, aber die Liga wäre immernoch Attraktiv, da sich das Niveau der Teams ausgleichen würde
3. Halte ich nichts von einer Hybridliga mit Profi- und Halbprofiteams. Es ist nicht die Aufgabe der Profi-/Spitzenteams eine Liga zu "finanzieren" oder attraktiv zu machen um irgendwann mit Glück aufzusteigen. 1 x Profi Liga, 1 x Halbprofi Liga, Rest Amateure, alles andere ist ein Gewurstel und macht aus meiner Sicht keinen Sinn, denn die Diskussionen kommen in absehbarer Zeit wieder auf.

Zwei 12er Ligen halte ich für ausgeschlossen:
1. aus dem Grund, dass ich nicht von einer Hybridliga halte.
2. Wo spielen den die Jungen denen man Spielpraxis geben möchte? Genau nicht bei den "grossen" der SL, welche man einfach in der SL haben will, weil sie ein guter Sparringpartner sind und die jungen so weiterbringen. Man hätte den Jungen viel mehr geholfen, wenn man sie in der NL einsetzt und auch den Teams den Spielraum gibt dies zu tun, sprich der Abstieg hält viele davon ab einem Jungen die Zeit zu geben und Fehler zu erlauben, erst recht nicht mit einem direkten Auf-/Abstieg.
3. Bekommt dieser Beschluss nie im Leben eine Mehrheit, vor allem in dem Moment wo die NL so ausgeglichen ist wie nie..

Darum holt die Zugpferde hoch und schliesst die Liga mit 16 Teams. Es braucht natürlich ein oder zwei Saisons, aber die Schwanzteams würden sich erholen und bekämen Spieler die Spielpraxis brauchen und wollen und nicht das Geld in erster Linie sehen.
 

Rothen76

Törliöffner
#25
Ich bin da noch etwas hin und her gerissen.
Vor dieser Saison war ich gegen eine 14er Liga.
Aber nun ist eigentlich nichts eingetroffen was befürchtet wurde.
Die Liga ist sehr ausgeglichen, Jeder kann Jeden schlagen.
Der Aufsteiger mit einem SL Team + Ausländer ist momentan 10er! Obwohl man immer behauptet, die SL ist um Längen schlechter.

Auch in der SL sieht es nicht so schlecht aus wie es gesagt wird.
Ausser die Rockets ist alles nahe beieinander. Auch dort hält der Aufsteiger gut mit.
Es fehlt einfach an Geld und das Gejammer ist sehr gross.
Anstatt nach Lösungen zu suchen, sucht man einen Schuldigen.

Mit der jetzigen Momentaufnahme bin ich zufrieden so wie es jetzt ist.
Die Ligaquali wird dann noch mehr Aufschluss geben. Wer auch immer da teilnimmt.

Wie sich das auf die Qualität des Schweizer Hockeys ausschlägt werden wir wohl erst in ein paar Jahren sehen.
Den Fokus auf eine gute Juniorenausbildung finde ich fast wichtiger als unbedingt 2 gute Profiligen.
 
#26
Bin mir nicht sicher, ob dieser nicht mehr ganz so neue Artikel (Video) allenfalls bereits gepostet wurde. Falls ja, sorry. Fall nein, bitte schön. ;)

Zumindest punkto Infrastruktur ist Kloten mit dem Bau der Trainingshalle dem SCRJ bereits mehr als nur eine Nasenlänge voraus. Das wird in vielerlei Hinsicht in Zukunft kein unerhebliches Detail in der Weiterentwicklung des EHC's sein. Die Trainingshalle ist schon fortgeschritten, ein neuer Videowürfel in Aussicht und das Team macht aktuell viel Spass. Fühle mich momentan in meiner EHC-Bubble sauwohl und gedenke weiterhin lässig vor mich hinzuschmunzeln. :LOL:

https://www.blick.ch/sport/eishocke...in-rapperswil-ist-ungenuegend-id18003982.html
 
Zuletzt bearbeitet:
#28
Bin mir nicht sicher, ob dieser nicht mehr ganz so neue Artikel (Video) allenfalls bereits gepostet wurde. Falls ja, sorry. Fall nein, bitte schön. ;)

Zumindest punkto Infrastruktur ist Kloten mit dem Bau der Trainingshalle dem SCRJ bereits mehr als nur eine Nasenlänge voraus. Das wird in vielerlei Hinsicht in Zukunft kein unerhebliches Detail in der Weiterentwicklung des EHC's sein. Die Trainingshalle ist schon forgeschritten, ein neuer Videowürfel in Aussicht und das Team macht aktuell viel Spass. Fühle mich momentan in meiner EHC-Bubble sauwohl und gedenke weiterhin lässig vor mich hinzuschmunzeln. :LOL:

https://www.blick.ch/sport/eishocke...in-rapperswil-ist-ungenuegend-id18003982.html
Voll, ich ertappe mich ständig wie mir die Spiele wie ein Film vor den Augen abspielt und muss mächtig grinsen! Es ist GEIL Kloten Fan zu sein!
 
#29
Nach einem Drittel der Qualispiele in einer frischen 14er Liga, kann man prognostizieren, dass dies ein durchaus erfolgreiches Modell für die höchste schweizer Hockeyliga sein kann. Man hat 4 Spiele gegen jeden und kommt auf die Anzahl Spiele, die man sich wünscht. Es ist (überraschenderweise) sehr Ausgeglichen und noch fällt keiner merklich ab.

Die Ligaquali ist genau so fair bzw. unfair, wie sie vorher war und wenn kein kriselndes Team dahin kommt, ist es für den SL Meister fast unmöglich, diese zu gewinnen. Das war aber auch schon vorher so.

Aus meiner Sicht ist es sehr scheinheilig, wenn man nun das CH-Hockey dem Ende nahe sieht. Die SL ist unbestritten wichtig und gibt vielen jungen Spielern die Spielpraxis im Erwachsenenhockey, aber viele Teams machen es sich hier zu einfach. Einen Top-Jungen wie Reinbacher, Fahrni, Allenspach, etc. ist es das Beste in der NLA zu genug Spielzeit zu kommen. Da vergessen die grossen Clubs auf einmal die Juniorenförderung und bringen lieber die arrivierten Spieler, wenns drauf an kommt. In einer 14er Liga müssten (Achtung konjunktiv) regelmässig 2-3 Junge in den Teams spielen, was diese umso mehr weiterbringt, wie in der SL zur selben Zeit zu kommen. Hier sprechen wir von sehr talentierten jungen Spielern, die in Zukunft Kandidaten für die Nati sein sollten. Wenn das alle machen würden, sehe ich für die Nati eher ein Vorteil und nicht wie vielfach prognostiziert wird ein Nachteil.

Für aufstiegswillige SL Clubs ist es trotzdem ein schlechter Entscheid, wäre aber auch die 12er Liga gewesen, wo man aus deren Sicht die nächsten 2 Saison hätte streichen können, falls der Aufstieg ausgesetzt worden wäre. Daher halte ich diesen Entscheid für diese Teams, für das geringere Übel.

Wie oben erwähnt hätte ich die Liga sogar weiter aufgestockt und die Liga geschlossen hätte, womit man Platz für jung Talente geschaffen hätte. Ja, es wäre der Todestoss für die aktuelle SL gewesen, aber dann hätte man sie tatsächlich neu erfinden könne. Alles andere ist für mich eine scheinheilige Kompromisslösung, die der SL noch dem CH-Hockey etwas bringt, denn bei 2 12er Ligen gäbe es mehr Teams die den Aufstieg auf Kosten von jungen Spielern erzwingen möchte. Wer glaubt dass mit Kloten, Ajoie, Langnau, Ambri oder wem auch immer in der SL die jungen Talente mehr gefördert werden, lebt in einer Traumwelt, denn diese Teams wollen unbedingt wieder rauf und da hat es im Gegensatz zu einer grossen ersten Liga (ohne Abstieg), keinen Platz für Geduld und Fehler. Zudem würden mehr Teams in der NL um enien Abstieg bangen und würden auch hier auf altbewährtes setzen, denn auf Junge. Knappheit an guten Schweizer Spielern fördert die Jungen, weil man gewzungen ist Talenten eine Chance zu geben.

Wenn man Langenthal, Thurgau, GCK, etc., welche tatsächlich Junge fördern, gute Sparringpartner geben möchte, weiss ich nicht ob das langfristig auf den Schultern der aufstiegswilligen Teams gemacht werden kann. Dieses Konzept ist scheinheilig und hat für mich keine Zukunft.
 
Zuletzt bearbeitet:

Rippa

Lückenfüller
#30
Nach einem Drittel der Qualispiele...
Saubueb schreibt sauguet. Vom ersten bis letzten Wort - Absolut! Auch Deine Meinung mit der 16er Liga teile ich zu 100%.

Die 12er Liga würde allenfalls für die Junioren Nati funktionieren, wenn man die U-23 Regel der Deutschen abkupfern würde. In einem kürzlich erschienen Interview mit Moritz Seider hat dieser gesagt, dass er bzw. der DEB nie so einen rasanten Sprung bei den Junioren gemacht hätte, wenn diese Regel nicht eingeführt worden sei. So oder so, ich wünschte mir diese Regel in der Schweiz, unabhängig von der Grösse der NL.
 
#31
Im neusten Tagi-Eisbrecher-Podcast ein ausführliches und wie ich finde sehr ehrliches und erfrischendes Interview mit Flüeler.
(Simon Graf 17.11.22/20:01) Teil 1/2

Das neue Leben des Meistergoalies

«Im Büro bist du dafür nicht dreimal die Woche der Depp»

Lukas Flüeler führte die ZSC Lions zu drei Titeln und stieg im Frühjahr mit 33 ins Berufsleben um. Nun spricht er über die schwierigen Momente im Rampenlicht – und was er am meisten vermisst.

Danke, dass Sie sich in Ihrer Mittagspause Zeit nehmen. Sie sind nach Ihrem Rücktritt nahtlos ins Berufsleben eingestiegen, arbeiten bereits zu 100 Prozent bei der Swiss Life. Wie kam es dazu?

Früher hätten wir uns um zwei, drei Uhr nachmittags getroffen, als Hockeyprofi hatte ich am Nachmittag frei. Nun bin ich acht, neun Stunden am Arbeiten. Wie es dazu kam? Ich studierte neben dem Eishockey Wirtschaft, machte zuerst den Bachelor, dann den Master. Vor zwei Jahren begann ich bei der Swiss Life zu 30 Prozent im Projektcontrolling. Als ich merkte, dass sich meine Karriere langsam dem Ende zuneigte, bekam ich eine Stelle in der Unternehmensstrategie angeboten. Da arbeite ich nun seit Juni.

Für eine Weltreise nach der Karriere blieb also keine Zeit mehr?

Nein, es ging alles Schlag auf Schlag. Im April bekamen wir unsere Tochter, unser erstes Kind, dann war ja noch der Final gegen Zug. Auch wenn ich nicht mitspielte, war ich mit dem Herzen dabei. Danach verreisten wir kurz in die Berge, mit dem Team hatten wir noch die Abschlussreise nach Mallorca, dann ging es schon los im neuen Job.

Ist es härter, im Büro zu arbeiten denn als Hockeyprofi?

Es ist anders. Ich würde nicht sagen härter. Mein Job macht mir grossen Spass. Der Tag ist ein paar Stunden länger, dafür habe ich am Wochenende frei. Wir waren gerade in den Bergen im Berner Oberland. Bald kommt der Winter, ich freue mich aufs Skifahren.

Durften Sie während Ihrer Karriere Ski fahren?

Nein. Im Vertrag stand, dass wir keine Risikosportarten ausüben dürfen. Ich war nun erstmals seit Ewigkeiten wieder in einem Skiladen und machte mich schlau. Seit 15 Jahren bin ich nicht mehr auf den Ski gestanden.

Wenn Sie im Hallenstadion eine starke Parade machten, jubelten Ihnen 10’000 zu. Fehlt Ihnen das im Büro?

Im Eishockey gehen die Emotionen hoch, du spielst dreimal pro Woche. Im Büro dauert alles etwas länger, aber auch hier hast du Erfolgsmomente. Wenn du eine gute Präsentation machst, gibt es ein Kompliment vom Chef. Aber klar, nicht dreimal die Woche. Dafür bist du auch nicht dreimal die Woche der Depp, wenn du keinen Puck stoppst.

Wie half Ihnen Ihre Hockeykarriere für das Berufsleben danach?

Unser Vorteil als Sportler ist: Wir müssen von jung auf sehr diszipliniert sein, damit wir unsere Ziele erreichen. Wir können nicht die ganze Zeit in den Ausgang gehen …

… Eishockeyaner gehen nicht in den Ausgang?

Wenn man es zum Profi geschafft hat, vielleicht eher einmal. Aber mit 16, 17, wenn meine Kollegen in den Ausgang gingen, hatte ich immer Match. Diese Disziplin hilft mir nun im Beruf. Ich bleibe dran und auch ein paar Stunden länger, wenn es sein muss.

«Ich empfehle allen, neben dem Eishockey früh mit etwas anderem zu beginnen. Man kann auch ein Instrument lernen oder eine Sprache.»​

Sie studierten während der Karriere zusammen mit Leonardo Genoni und Simon Bodenmann. Würden Sie das anderen Sportlern empfehlen?

Auf jeden Fall. Ich würde allen empfehlen, neben dem Eishockey schon früh mit etwas anderem zu beginnen. Das muss kein Studium sein, man kann auch ein Instrument lernen oder eine Sprache. Das Schweizer Eishockey ist eine kleine Welt. Es tut gut, da auszubrechen, auch gedanklich. Sicher brauchst du ein gutes Zeitmanagement, aber als Eishockeyprofi hat man immer mal wieder Zeit. Man hat Busfahrten, in denen man lernen kann, freie Nachmittage. Und wir drei haben uns im Studium immer unterstützt. Wenn einer mal nicht kommen konnte, schrieb ein anderer eine Zusammenfassung.

Wer war der Fleissigste von Ihnen dreien?

Leo (Genoni) war mit Abstand der Beste, er schrieb immer Sechser. Bodenmann und ich waren auf einem ähnlichen Level. Am Schluss hat er mich bei der Masternote noch leicht überholt. Es war eine schöne Zeit, wir halfen uns gegenseitig und gingen nach der Schule auch einmal auf ein Bier zusammen, oder assen zu Abend. Meistens war das am Montag, und es konnte gut sein, dass wir uns dann am Dienstag auf dem Eis gegenüberstanden.

«Die Garderobe ist etwas Magisches im Sport.»​

Was fehlt Ihnen aus dem Eishockey?

Die Garderobe. Die Garderobe ist etwas Magisches im Sport. 16-, 17-Jährige bis 42-Jährige sitzen dort zusammen. Man ist den ganzen Tag zusammen, geht auf Champions-League-Reisen, hat hohe Ziele, muss Niederlagen gemeinsam verarbeiten. Im normalen Arbeitsalltag gibt es das nicht.

Und man darf Kind sein bis ins hohe Alter.

Es ist genau das. Segi (Mathias Seger) sagte immer zu mir, es tue ihm so gut, mit Jungen zu spielen. Das halte ihn selber auch jung. Die Jungen reden anders, sie haben andere Interessen, man lernt viele Dinge von ihnen.

Was fehlt Ihnen gar nicht?

Dass ich täglich den Rücken und die Adduktoren spüre. Die Verletzungshexe besuchte mich vor ein paar Jahren, danach liess sie mich nicht mehr los. Wenn ich mit meinen 100 Kilo hundert-, zweihundertmal auf die Knie pralle, ist das für meinen Rücken nicht ideal. Es ist schön, morgens aufzustehen ohne Rückenweh.

Sie hatten täglich Rückenweh, wenn Sie aufstanden?

Wenn die Entzündung mal da ist, beginnst du zu spritzen oder nimmst eine Tablette. Es heilt nie richtig aus. Du willst spielen, gönnst dir keine längere Pause. Nun merke ich: Es heilt schon, wenn man es ruhiger angehen lässt.

«Ich machte zuerst mal eine Pause und nahm gleich fünf Kilo zu. Die habe ich jetzt wieder weggebracht.»​

Sind Sie sportlich noch aktiv?

Ich machte zuerst mal eine Pause und nahm gleich fünf Kilo zu. Die habe ich jetzt wieder weggebracht. Durch die Ernährung, nicht durch den Sport. Vorher konnte ich mir alles erlauben, jetzt passe ich mehr auf, etwa bei den Kohlenhydraten. Und ich beginne nun, in einer Plauschmannschaft zu spielen. Ich ging vorher noch auf den freien Eislauf mit den Spielerschlittschuhen, damit ich mich nicht blamiere. Es sah nicht gut aus. Hoffentlich hat mich niemand erkannt.

Sie spielen nicht als Goalie?

Nein, als Verteidiger. Goalie werde ich nie mehr sein. Da weiss ich, was möglich ist. Ich hätte keinen Spass, das so halbbatzig zu machen.

Es war für Sie ein Abschied auf Raten. Sie bestritten Ihr letztes Spiel am 7. Dezember 2021, im neuen Jahr waren Sie nicht einmal mehr auf der Bank. Wie gingen Sie damit um?

Vorletzte Saison hatte ich gar kein gutes Jahr. Ich verlor meinen Platz an Ludovic Waeber, ich war der schlechtere Goalie. Das kann man so sagen. Im Sommer (2021) arbeitete ich dann sehr hart, probierte Neues und hatte einen guten Saisonstart. Ich zeigte einige gute Spiele, doch ich kam nie richtig ins Tor zurück, für zwei, drei Spiele nacheinander. Irgendwann wurde mit Jakub Kovar ein ausländischer Goalie geholt, und der machte einen super Job. Klar hätte ich gern im Playoff gespielt. Aber es sollte nicht sein.

Bereits Anfang November 2021 entschieden Sie, per Ende Saison zurückzutreten. Wie viele schlaflose Nächte hatten Sie vorher?

Keine. Ich hatte immer gewusst, dass ich mit 33, 34 aufhören würde. Das war kein Entscheid aus dem Bauch heraus. Es lief also alles nach Plan. Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass ich am Schluss noch den Pokal hätte hochstemmen können. Aber so etwas kann man nicht planen.
 
#32
Im neusten Tagi-Eisbrecher-Podcast ein ausführliches und wie ich finde sehr ehrliches und erfrischendes Interview mit Flüeler.
(Simon Graf 17.11.22/20:01) Teil 2/2

«Wenn ich als junger Goalie ein faules Tor kassierte, riefen die Leute: ‹Sulo, Sulo.› Das nahm ich damals oft mit ins Bett.»​

Wie war es für Sie, in Zürich einst als junger Goalie in die grossen Fussstapfen von Ari Sulander zu treten?

Nicht einfach. Sulo ist eine Riesenlegende, er holte 2000, 2001 die ersten Meistertitel wieder nach Zürich. Wenn ich als junger Goalie ein faules Tor kassierte, riefen die Leute: «Sulo, Sulo.» Im Nachhinein kann ich sagen: Das hat mich mental stärker gemacht. Aber damals nahm ich es oft mit ins Bett.

Wie begegnete er Ihnen? Sah er Sie als Konkurrent?

Sie kennen Sulo ja auch. Was er sicher nicht tut: gross mit einem reden. Aber er war immer sehr fair im Training. Er sagte: «Du musst dir deine Einsätze erarbeiten.» Er war auch kein Trainingsweltmeister, aber er wollte jedes Spielchen, jedes Penaltyschiessen gewinnen. Die ersten zwei Jahre habe ich kein Spielchen gegen ihn gewonnen.

Sulander ist inzwischen Tierkremator in Oulu. Haben Sie mit ihm über sein neues Leben gesprochen?

Gerade kürzlich, beim ersten Spiel in der Swiss-Life-Arena. Da sah ich ihn erstmals wieder. Er machte einen sehr zufriedenen Eindruck. Er führt eine Einmannbetrieb. Ein Tierarzt sagte ihm, das sei eine gute Business-Idee. Diese Chance hat er genutzt.

Hätte Sie das auch gereizt?

(schmunzelt) Tierkremator? Ich glaube, das hätte nicht meinen Stärken entsprochen. Ich wäre viel zu traurig, wenn ich täglich Tiere einäschern müsste.

2012 führten Sie die ZSC Lions erstmals zum Meistertitel, in der legendären Finalserie gegen den SC Bern, als Sie schon 1:3 zurücklagen. Damals kam ein Kaminfeger und verteilte Glücksräppler. Braucht es solche besonderen Geschichten, um ein Team speziell zu inspirieren?

Im Playoff geht es sehr schnell. Du spielst jeden zweiten Tag, wenn du verlierst, bist du völlig am Boden, und 48 Stunden später musst du wieder einen Sieg holen. Da hilft es, wenn man Impulse von aussen bekommt. Unser damaliger Trainer Bob Hartley ist Meister darin, solche Dinge aufzunehmen. Darum hat er in jeder Liga gewonnen, in der NHL, in Russland, in der Schweiz. Er hat wirklich alles getan für den Sieg. Alles. Ich hörte einmal, dass er einen kleinen Bub anstellte, um nach Davos zu fahren und ein Autogramm von Reto von Arx zu holen, um zu wissen, welche Hand bei ihm angeschlagen war.

Hartley war nicht besonders beliebt bei den Spielern. Bei ihm heisst es: 364 Tage im Jahr hassen sie ihn, am 365. feiern sie den Meistertitel. Wie haben Sie das erlebt?

Hartley und auch Marc Crawford haben die Geschichte vieler Spieler bei den ZSC Lions geprägt. Wenn man schaut: Die Gebrüder Baltisberger, Schäppi, Geering, ich, wir bekamen alle die Chance unter ihnen. Das half dem Club sehr. Trainer, die mit den Jungen arbeiten und ihnen die Chance geben, sind extrem wichtig. So prägen sie ganze Jahrgänge.

Aber sie waren auch hart?

Ja, sehr hart. Extrem hart. Aber das braucht es. Man sagt immer: Die Spieler sind selber verantwortlich, die verdienen ja auch genug. Das stimmt schon. Du musst selber schauen, dass du Leistungen erbringst. Trotzdem: Ein Trainer hat viele Werkzeuge in der Hand, die er einsetzen kann, damit die Spieler vorwärtskommen.

Als Typen waren sie unterschiedlich: Hartley war sehr detailversessen, Crawford konnte auch einmal laut werden.

Beide konnten laut werden. Ich war bei beiden im Büro, und es wurde bei beiden sehr laut. Das können Sie mir glauben. (lacht) Aber beide sind fair. Hartley ist noch extremer, wenn es um den Erfolg geht. Das ist vielleicht keine so langfristige Methode, deshalb blieb er auch nur ein Jahr. Crawford war neben dem Eis viel menschlicher.

Sie führten die ZSC Lions dreimal zum Titel: 2012, 2014 und 2018. Was war Ihr Highlight?

Sicher 2012. Ich erlebte mit fünf mit meinem Vater das erste Spiel in Kloten und hatte nur Augen für Reto Pavoni. Mein Vater sagte: «Der Puck ist dort vorne!» Aber ich schaute immer nur auf den Goalie. Ich durfte mit Denis Hollenstein auch in die Garderobe, als Kloten Meister wurde. Für mich war da klar: Das möchte ich auch einmal erleben. Wenn du es dann geschafft hast, ist das schon sehr speziell. Das Gefühl, das ich damals hatte, ist immer noch in mir drin.

Sie waren ein Meister der siebten Spiele: Sie gewannen alle sechs. Woher kam diese mentale Stärke?

Das hat nicht nur mit mir zu tun, das war Teamwork. Ich schaute mir diese Spiele alle nochmals an. Wie wir da jeweils als Mannschaft auftraten, das war eindrücklich. Wir wussten: Wir schaffen es. Das spürten wir in dieser Garderobe einfach. Das steckt an. Es ist kein Zufall, dass auch der HCD so viele dieser Spiele gewann.

Was war Ihr Rezept vor so grossen Spielen, um ruhig zu bleiben?

Mir half immer die Routine. Durch Routinen kannst du dich beruhigen. Deshalb hatte ich vor den Spielen immer den gleichen Ablauf. Ich redete selten am Matchtag. Ab Mittag nahm ich keinen Anruf mehr an und sprach nicht mehr mit den Jungs.

Sie redeten gar nicht mehr?

Nein, ab Mittag redete ich mit niemandem mehr. Bis nach dem Match. Ich bin einer, der sonst sehr gern plaudert. Über jeden Blödsinn. Aber ich wusste: Wenn ich am Matchtag mit den Jungs über Fernsehserien rede oder darüber, was im Ausgang gelaufen ist, bringt mich das nur durcheinander.

«Du hasst deinen Gegner im Playoff. Du willst nichts mit ihm zu tun haben.»​

Mit Simon Bodenmann bildeten Sie lange Jahre eine Wohngemeinschaft, noch bevor Sie bei den ZSC Lions zusammenspielten. Wie war das, als Sie sich 2014 im Zürcher Playoff-Final duellierten?

Gut, er musste ausziehen. (lacht) So hatte ich meine Ruhe. Wir sagten immer: Wenn wir im Playoff gegeneinander spielen, können wir nicht miteinander wohnen. Journalisten fragten uns ein paarmal: Wieso nicht? Das ist doch nicht so schlimm? Aber das geht nicht. Du hasst deinen Gegner im Playoff. Du willst nichts mit ihm zu tun haben.

Sie redeten auch nicht mehr miteinander in dieser Zeit?

Nein, wir hatten keinen Kontakt. Erst zwei, drei Wochen später wieder.

Sie sind Vater geworden, haben einen Bürojob. Kann man sagen: Nun haben Sie ein geregeltes Leben?

Ich habe mehr Freiheiten als vorher. Als Hockeyprofi wurde mir vorgegeben, was ich zu Mittag esse, wann der Bus abfährt. Anfang Woche bekamen wir von unserem Teammanager André ein Mail, worauf wir alles achten müssen. Du weisst auf die Minute, was du anziehen, wo du essen, wo du wann sein musst. Das ist tubelisicher. Ich geniesse es, dass ich nach 20 Jahren selber entscheiden kann, was ich esse oder wie ich das Wochenende verbringe. Mein heutiger Job ist zwar stundenmässig aufwendiger. Ich stehe um sechs Uhr morgens auf und komme manchmal spät nach Hause, wenn wir noch Events haben. Trotzdem fühle ich mich freier.
 
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