Presseschau

Der Tagi zur Einstimming aufs Derby 😎, online publiziert heute Samstag, 11:49

Endlich wieder Derby-Hockey
Und die Fans im Hallenstadion skandieren: «Sitz, du Sau!»
Erstmals nach viereinhalb Jahren und bereits zum 212. Mal treffen Kloten und die ZSC Lions aufeinander. Da werden Erinnerungen wach.

Er hĂŒpfte, tanzte und sang voller Inbrunst: «EHC, Nati B, schalalala!» Und: «ZĂŒri isch Meischter, Chloote isch im B!» Die Rede ist von Phil Baltisberger. Vor viereinhalb Jahren verhöhnte der ZSC-Verteidiger anlĂ€sslich der Meisterfeier den Absteiger Kloten, entschuldigte sich spĂ€ter via Twitter und meinte, er werde die Derbys vermissen. Nun kommt es am Samstag in Kloten zum ersten Wiedersehen nach 1736 Tagen.

Es ist das 212. Aufeinandertreffen. Kloten holte sich 113, der «Zett» 85 Siege. 13 Duelle endeten unentschieden. UnzĂ€hlige Geschichten wurden geschrieben, und noch heute geraten Kloten-Legende Roman «Limi» WĂ€ger oder der ehemalige ZSC-Captain Bruno Vollmer ins SchwĂ€rmen, wenn sie an vergangene Zeiten denken. Damals, in den 1990er-Jahren, als schon Tage zuvor in den Zeitungen die Stimmung angeheizt wurde, der damalige Hallenstadion-Direktor Sepp Voegeli in Klotens Kabinen das Warmwasser abstellte oder die Heizung aufdrehte. «Es war dann gefĂŒhlte 70 Grad heiss», sagt Vollmer.

«Wir waren Feindbilder, wurden mit Bier geduscht. Sogar WĂŒrste kamen geflogen.»
Roman WĂ€ger, ehemaliger Kloten-StĂŒrmer

Alle heben die AtmosphĂ€re im alten Hallenstadion hervor. «Wenn Fige Hollenstein kam, tobten die Fans», erinnert sich Arno Del Curto. «Wurde er auf die Strafbank geschickt, skandierten sie: â€čSitz, du Sau!â€ș Er heizte das Ganze zusĂ€tzlich an und blieb einfach stehen. Das waren geile Zeiten.» Roman WĂ€ger erinnert sich: «Wir waren Feindbilder, wurden mit Bier geduscht. Sogar WĂŒrste kamen geflogen. Weil ĂŒberall geraucht wurde, roch man schon nach dem Einlaufen, als hĂ€tte man seit drei Tagen die Kleidung nicht gewechselt.»
Doch auch in Kloten ging es hoch zu. «Man hat mich ausgepfiffen. Aber ich konnte es verstehen. Das war nicht lustig fĂŒr die Fans», sagt Andreas «Zesi» Zehnder, der erste Spieler, der 1989 von Kloten zum ZSC ĂŒbergelaufen war. Ein No-go war das damals. «Statt des HCD hĂ€tte ich auch Kloten ĂŒbernehmen können, schlug die Offerte aber aus. Vom ZSC zu Kloten, das ging einfach nicht», sagt Del Curto.
Viele Derby-Geschichten sind entstanden. Hier eine Auswahl:

Die pummelige Sowjet-Legende

1991 treffen die Rivalen erstmals im Playoff aufeinander. Nach einem 0:7 im ersten Viertelfinal bringt ZSC-Trainer Pavel Wohl den pummeligen Wladimir Krutow. «Hören Sie, der Mann war der beste Linksaussen der Welt», rechtfertigt sich der tschechische Professor. Krutow wird zum Mann des Spiels, skort beim 6:4 zwei Tore und einen Assist. Nach dem ersten Treffer des Russen erleidet Hallenstadion-Direktor Voegeli einen Herzanfall und muss auf die Intensivstation.


Das verrĂŒckteste Derby

Noch heute sprechen viele vom vierten Viertelfinal-Duell 1991. Vor 12’051 Zuschauern im rauchgeschwĂ€ngerten Hallenstadion geht das Bier schon nach zwei Dritteln aus. Der ZSC fĂŒhrt 6:5, als Zesi Zehnder sich einen Fehlpass leistet und Kent «The Magic Man» Nilsson 30 Sekunden vor Schluss ausgleichen kann. WĂ€hrend Anders Eldebrink seinen Versuch im Penaltyschiessen verwertet, scheitert Bob Martin an der Lattenunterkante. Der ZSC scheidet aus.


Erster AuswÀrtssieg

Der ZSC gewinnt zwar das erste Derby: 17:1 im Cup 1960. Doch erst im Januar 1993 reĂŒssieren die StadtzĂŒrcher erstmals in Kloten. Nach dem sporthistorischen 4:2 lassen sie eine Krawatte produzieren. Und Vollmer vergleicht: «In Lugano konnte man nach einem Derby-Sieg gar eine Woche gratis einkaufen.»
Fan-Boykott nach Del-Curto-Rauswurf
Auch das 3:3 im Oktober 1993 ist aus StadtzĂŒrcher Sicht ein Coup. Denn: «Wir hatten damals gegen Kloten schlicht keine Chance. Stand es 0:7 und wir schossen ein Tor, flippten die Fans aus. Schossen wir ein zweites, war es, als hĂ€tten wir gewonnen», blickt Del Curto zurĂŒck. Doch an jenem Abend bleiben viele Fans dem Spiel fern. Sie goutieren nicht, dass die Verantwortlichen Del Curto eine Woche zuvor entlassen haben, und gehen mit dem Engadiner ans Iggy-Pop-Konzert. «Das Volkshaus war gerammelt voll. Da waren Fans in â€čZeugen Del Curtosâ€ș-Shirts. Geil wars», so der heute 66-JĂ€hrige.


Krutow und der tote Mann

Spiel 3 des Playoff-Viertelfinals im MĂ€rz 2008: Klotens Romano Lemm prallt mit Alexei Krutow zusammen. WĂ€hrend sich der Russe auf dem Eis windet, wird Lemm ausgeschlossen. Der ZSC macht in Überzahl alles klar, gewinnt zum dritten Mal. Und Krutow? Er kehrt wenig spĂ€ter zurĂŒck. «Krutow hat eine grosse Show abgezogen. Zuerst spielt er den toten Mann, dann ist er pudelmunter. Das hat mit Eishockey nichts mehr zu tun», Ă€rgert sich Lemm.
Der Klotener wird gesperrt, der ZSC zieht in den Halbfinal ein und wird mit Domenico Pittis Meister. Erst im Januar hat Pittis Kloten Hals ĂŒber Kopf verlassen. Er habe es mit der Schwedenfraktion nicht mehr ausgehalten, sagt er.


Meistertitel in Kloten

«Sorry, Kloten, es hat wieder nicht gereicht.» Mit dieser Aussage erzĂŒrnt Ex-Kloten-StĂŒrmer Roman Wick im April 2014 die Kloten-Fans. Zum dritten Mal innert fĂŒnf Jahren verlieren die ZĂŒrcher UnterlĂ€nder einen Final. Der ZSC feiert ausgerechnet am Schluefweg. Kloten gewinnt kein Spiel, verliert letztlich im Penaltyschiessen. Robert Nilsson, der Sohn des frĂŒheren Kloten-Stars Kent, und TorhĂŒter Lukas FlĂŒeler werden zu Helden. FlĂŒeler lebt damals mit Klotens Simon Bodenmann in einer WG. «Bodi zog im Playoff aus. Wer will schon den Gegner bei sich haben?» so FlĂŒeler.
WÀger und Vollmer sagen unisono: «Eine WG? Das wÀre zu unserer Zeit undenkbar gewesen.» Doch spinnefeind war man sich auch nicht. «Am Sechstagerennen», erinnert sich Vollmer, «sind wir mit dem Gegner an derselben Bar versumpft.»


Simpson attackiert Hollenstein

Im Januar 2015 bestreitet ZSC-Captain Mathias Seger in Kloten sein 1000. Spiel in der höchsten Liga. Doch fĂŒr Schlagzeilen sorgt Sean Simpson. Die StadtzĂŒrcher machen im letzten Drittel aus einem 0:2 ein 4:2, fĂŒgen dem neuen Kloten-Trainer die vierte Niederlage im fĂŒnften Spiel zu. Simpson attackiert seinen VorgĂ€nger Felix Hollenstein: «Es ist eine Frage der Kondition. Zu viele Spieler sind in schlechter physischer Verfassung», kritisiert der ehemalige Nationalcoach: «Ich weiss nicht, was sie im letzten Sommer getan haben. Es wird ein fucking hartes Sommertraining fĂŒr diese fucking Guys geben.» SpĂ€ter krebst Simpson zurĂŒck. Er habe Hollenstein nicht angreifen wollen und habe grössten Respekt vor ihm.
 
Ganz geil! Das gibts noch andere geile Stories. Convery der Micheli auf die Fresse gab, der Hass der Pittis entgegenschlug oder Cormier der uns einen Sieg im Penaltyschiessen sicherte. Oder die Play Off Serie anfangs 2000er die wir gewonnen haben. Lasst uns die Geschichte heute neu Schreiben!!
 
«Wir waren Feindbilder, wurden mit Bier geduscht. Sogar WĂŒrste kamen geflogen.»
Es muss etwas vor 1980 gewesen sein, da kamen mal bei einem Derby auf der Stehrampe frische Fische zu den Kloten-Fans geflogen.
Die hĂ€rteste Provokation fand allerdings im grossen Krisenjahr statt, als die ZSC-Fans mit 10-er Nötli zu uns hinĂŒberwedelten...
 
Die Presse (Tagi) zum grandiosen Derbysieg: 😎

SchlÀgereien und ein aberkanntes Tor
Aufsteiger Kloten gewinnt hitziges Derby
Überraschung: Die ZSC Lions kassieren im ersten Derby nach viereinhalb Jahren eine bittere AuswĂ€rtsniederlage, verlieren vor 7226 Zuschauern 1:2.

Im Vergleich mit frĂŒher fehle es den Derbys heute an Pfeffer. Das sagt die Klotener Hockey-Legende Roman «Limi» WĂ€ger vor dem ersten ZĂŒrcher Derby seit Januar 2018. Sein Pendant, Andreas «Zesi» Zehnder, stimmt ihm zu. «FrĂŒher war Hardcore.» Zehnder spricht von brutalem Hass, auch auf den TribĂŒnen. «Im alten Hallenstadion mussten sogar die Hells Angels fĂŒr Ruhe und Ordnung sorgen.» So weit kommt es glĂŒcklicherweise nicht. Doch von fehlendem Zunder kann definitiv keine Rede sein.

Dass sich Kloten und der ZSC nicht mögen, zeigt sich schon nach zehn Minuten. Im Mittelpunkt steht ein 17-JĂ€hriger. Nachdem David Reinbacher ZSC-Goalie Ludovic Waeber leicht touchiert, kommt es zur ersten Keilerei. Phil Baltisberger geht auf Reinbacher los. Garrett Roe prĂŒgelt sich mit Kloten-Captain Steve Kellenberger. Und Marc Marchon knöpft sich Lions-Verteidiger Christian Marti vor. Die Schiedsrichter haben grösste MĂŒhe, die Übersicht zu behalten.
Eishockey gespielt wird dann allerdings auch. Nach einer Glanzparade von Kloten-Goalie Juha Metsola reisst es die Fans in der Stimo-Arena von den Sitzen. Der Finne scheint gegen Simon Bodenmann schon geschlagen, rettet dann aber am Boden liegend mit der Fanghand.

Von einem Klassenunterschied kann keine Rede sein. Einzig bei SpielhĂ€lfte gerĂ€t das Team von Jeff Tomlinson ins Wanken. Roe scheitert an der Latte, Willy Riedi am Pfosten und Bodenmann – wieder er – wischt die Scheibe am leeren Tor vorbei.
Fans feuern Kloten schon im Warm-up an
Der ZSC lĂ€sst nicht nur Top-Chancen liegen, er bringt sogar das KunststĂŒck fertig, zu spĂ€t aus der Garderobe zurĂŒckzukehren. Diese Überzahl kann der Aufsteiger nicht verwerten. Doch als sich Lucas Wallmark nach einem hohen Stock an Reinbacher vier Strafminuten einhandelt, schlĂ€gt der EHC zu. Dario Meyer trifft ins rechte Lattenkreuz. Auf den RĂ€ngen gibt es kein Halten mehr.
12 Minuten vor Schluss ist ZSC-Keeper Waeber erneut geschlagen. Doch die Unparteiischen annullieren Reinbachers Treffer wegen einer TorhĂŒterbehinderung. Statt 2:0 steht es wenig spĂ€ter 1:1. Alexandre Texier profitiert von einem MissverstĂ€ndnis zwischen Capaul und Meyer. Vorteil ZSC? Von wegen!

Kloten gibt sich unbeeindruckt. Zwei Minuten nach dem 1:1 liegen die ZĂŒrcher UnterlĂ€nder bereits wieder vorne. Miro Aaltonen verwertet einen Konter. Es ist der Schlusspunkt.

Der EHC, der vor dem Match seinen Aufstiegshelden Robin Figren verabschiedet, lÀsst nichts mehr anbrennen. Klotens Fans, die schon am Morgen beim Warm-up ihr Team anfeuern, feiern bis weit nach Spielschluss.
 

Emilius

Törliöffner
Der Tagi zur Einstimming aufs Derby 😎, online publiziert heute Samstag, 11:49

Endlich wieder Derby-Hockey
Und die Fans im Hallenstadion skandieren: «Sitz, du Sau!»
Erstmals nach viereinhalb Jahren und bereits zum 212. Mal treffen Kloten und die ZSC Lions aufeinander. Da werden Erinnerungen wach.

Er hĂŒpfte, tanzte und sang voller Inbrunst: «EHC, Nati B, schalalala!» Und: «ZĂŒri isch Meischter, Chloote isch im B!» Die Rede ist von Phil Baltisberger. Vor viereinhalb Jahren verhöhnte der ZSC-Verteidiger anlĂ€sslich der Meisterfeier den Absteiger Kloten, entschuldigte sich spĂ€ter via Twitter und meinte, er werde die Derbys vermissen. Nun kommt es am Samstag in Kloten zum ersten Wiedersehen nach 1736 Tagen.

Es ist das 212. Aufeinandertreffen. Kloten holte sich 113, der «Zett» 85 Siege. 13 Duelle endeten unentschieden. UnzĂ€hlige Geschichten wurden geschrieben, und noch heute geraten Kloten-Legende Roman «Limi» WĂ€ger oder der ehemalige ZSC-Captain Bruno Vollmer ins SchwĂ€rmen, wenn sie an vergangene Zeiten denken. Damals, in den 1990er-Jahren, als schon Tage zuvor in den Zeitungen die Stimmung angeheizt wurde, der damalige Hallenstadion-Direktor Sepp Voegeli in Klotens Kabinen das Warmwasser abstellte oder die Heizung aufdrehte. «Es war dann gefĂŒhlte 70 Grad heiss», sagt Vollmer.

«Wir waren Feindbilder, wurden mit Bier geduscht. Sogar WĂŒrste kamen geflogen.»
Roman WĂ€ger, ehemaliger Kloten-StĂŒrmer

Alle heben die AtmosphĂ€re im alten Hallenstadion hervor. «Wenn Fige Hollenstein kam, tobten die Fans», erinnert sich Arno Del Curto. «Wurde er auf die Strafbank geschickt, skandierten sie: â€čSitz, du Sau!â€ș Er heizte das Ganze zusĂ€tzlich an und blieb einfach stehen. Das waren geile Zeiten.» Roman WĂ€ger erinnert sich: «Wir waren Feindbilder, wurden mit Bier geduscht. Sogar WĂŒrste kamen geflogen. Weil ĂŒberall geraucht wurde, roch man schon nach dem Einlaufen, als hĂ€tte man seit drei Tagen die Kleidung nicht gewechselt.»
Doch auch in Kloten ging es hoch zu. «Man hat mich ausgepfiffen. Aber ich konnte es verstehen. Das war nicht lustig fĂŒr die Fans», sagt Andreas «Zesi» Zehnder, der erste Spieler, der 1989 von Kloten zum ZSC ĂŒbergelaufen war. Ein No-go war das damals. «Statt des HCD hĂ€tte ich auch Kloten ĂŒbernehmen können, schlug die Offerte aber aus. Vom ZSC zu Kloten, das ging einfach nicht», sagt Del Curto.
Viele Derby-Geschichten sind entstanden. Hier eine Auswahl:

Die pummelige Sowjet-Legende

1991 treffen die Rivalen erstmals im Playoff aufeinander. Nach einem 0:7 im ersten Viertelfinal bringt ZSC-Trainer Pavel Wohl den pummeligen Wladimir Krutow. «Hören Sie, der Mann war der beste Linksaussen der Welt», rechtfertigt sich der tschechische Professor. Krutow wird zum Mann des Spiels, skort beim 6:4 zwei Tore und einen Assist. Nach dem ersten Treffer des Russen erleidet Hallenstadion-Direktor Voegeli einen Herzanfall und muss auf die Intensivstation.


Das verrĂŒckteste Derby

Noch heute sprechen viele vom vierten Viertelfinal-Duell 1991. Vor 12’051 Zuschauern im rauchgeschwĂ€ngerten Hallenstadion geht das Bier schon nach zwei Dritteln aus. Der ZSC fĂŒhrt 6:5, als Zesi Zehnder sich einen Fehlpass leistet und Kent «The Magic Man» Nilsson 30 Sekunden vor Schluss ausgleichen kann. WĂ€hrend Anders Eldebrink seinen Versuch im Penaltyschiessen verwertet, scheitert Bob Martin an der Lattenunterkante. Der ZSC scheidet aus.


Erster AuswÀrtssieg

Der ZSC gewinnt zwar das erste Derby: 17:1 im Cup 1960. Doch erst im Januar 1993 reĂŒssieren die StadtzĂŒrcher erstmals in Kloten. Nach dem sporthistorischen 4:2 lassen sie eine Krawatte produzieren. Und Vollmer vergleicht: «In Lugano konnte man nach einem Derby-Sieg gar eine Woche gratis einkaufen.»
Fan-Boykott nach Del-Curto-Rauswurf
Auch das 3:3 im Oktober 1993 ist aus StadtzĂŒrcher Sicht ein Coup. Denn: «Wir hatten damals gegen Kloten schlicht keine Chance. Stand es 0:7 und wir schossen ein Tor, flippten die Fans aus. Schossen wir ein zweites, war es, als hĂ€tten wir gewonnen», blickt Del Curto zurĂŒck. Doch an jenem Abend bleiben viele Fans dem Spiel fern. Sie goutieren nicht, dass die Verantwortlichen Del Curto eine Woche zuvor entlassen haben, und gehen mit dem Engadiner ans Iggy-Pop-Konzert. «Das Volkshaus war gerammelt voll. Da waren Fans in â€čZeugen Del Curtosâ€ș-Shirts. Geil wars», so der heute 66-JĂ€hrige.


Krutow und der tote Mann

Spiel 3 des Playoff-Viertelfinals im MĂ€rz 2008: Klotens Romano Lemm prallt mit Alexei Krutow zusammen. WĂ€hrend sich der Russe auf dem Eis windet, wird Lemm ausgeschlossen. Der ZSC macht in Überzahl alles klar, gewinnt zum dritten Mal. Und Krutow? Er kehrt wenig spĂ€ter zurĂŒck. «Krutow hat eine grosse Show abgezogen. Zuerst spielt er den toten Mann, dann ist er pudelmunter. Das hat mit Eishockey nichts mehr zu tun», Ă€rgert sich Lemm.
Der Klotener wird gesperrt, der ZSC zieht in den Halbfinal ein und wird mit Domenico Pittis Meister. Erst im Januar hat Pittis Kloten Hals ĂŒber Kopf verlassen. Er habe es mit der Schwedenfraktion nicht mehr ausgehalten, sagt er.


Meistertitel in Kloten

«Sorry, Kloten, es hat wieder nicht gereicht.» Mit dieser Aussage erzĂŒrnt Ex-Kloten-StĂŒrmer Roman Wick im April 2014 die Kloten-Fans. Zum dritten Mal innert fĂŒnf Jahren verlieren die ZĂŒrcher UnterlĂ€nder einen Final. Der ZSC feiert ausgerechnet am Schluefweg. Kloten gewinnt kein Spiel, verliert letztlich im Penaltyschiessen. Robert Nilsson, der Sohn des frĂŒheren Kloten-Stars Kent, und TorhĂŒter Lukas FlĂŒeler werden zu Helden. FlĂŒeler lebt damals mit Klotens Simon Bodenmann in einer WG. «Bodi zog im Playoff aus. Wer will schon den Gegner bei sich haben?» so FlĂŒeler.
WÀger und Vollmer sagen unisono: «Eine WG? Das wÀre zu unserer Zeit undenkbar gewesen.» Doch spinnefeind war man sich auch nicht. «Am Sechstagerennen», erinnert sich Vollmer, «sind wir mit dem Gegner an derselben Bar versumpft.»


Simpson attackiert Hollenstein

Im Januar 2015 bestreitet ZSC-Captain Mathias Seger in Kloten sein 1000. Spiel in der höchsten Liga. Doch fĂŒr Schlagzeilen sorgt Sean Simpson. Die StadtzĂŒrcher machen im letzten Drittel aus einem 0:2 ein 4:2, fĂŒgen dem neuen Kloten-Trainer die vierte Niederlage im fĂŒnften Spiel zu. Simpson attackiert seinen VorgĂ€nger Felix Hollenstein: «Es ist eine Frage der Kondition. Zu viele Spieler sind in schlechter physischer Verfassung», kritisiert der ehemalige Nationalcoach: «Ich weiss nicht, was sie im letzten Sommer getan haben. Es wird ein fucking hartes Sommertraining fĂŒr diese fucking Guys geben.» SpĂ€ter krebst Simpson zurĂŒck. Er habe Hollenstein nicht angreifen wollen und habe grössten Respekt vor ihm.
Witzig. Rocchinotti (der Autor dieses tollen Artikels) ist ja ein waschechter Klotener. Die Derbysaga besteht fĂŒr ihn offenbar vor allem aus alten ZSC-Storys aus den frĂŒhen 90ern. Ich werde mit den wenigsten Geschichten davon warm, weil sie mich nicht so interessieren.
Aber ich will mit Rochinotti nicht tauschen. Es ist wahrscheinlich ein Knochenjob, im Tagesanzeiger fĂŒr die Zielgruppe der ZSC-Boomers zu schreiben. Jene wollen selbstvergewissernde Geschichten aus den wilden alten Zeiten hören, wĂ€hrend sie auf ihrem teuern Sitzplatz in der "Swiss Life Arena" GetrĂ€nke via App ordern.


DERBYSIEG!
 
Zuletzt bearbeitet:
Tagi/Rocchinotti doppelt gleich nach:

Hitziges ZĂŒrcher Hockey-Derby
«Sie mögen es nicht, wenn die Jungen frech sind»
Emotionen pur: Das erste Duell seit vier Jahren ist ein Spektakel. Aufsteiger Kloten gewinnt 2:1. Doch selbst beim ZSC schwÀrmen sie von der AtmosphÀre.

Mitternacht ist lĂ€ngst vorĂŒber. Doch noch immer wird in der «Wöschchuchi», dort, wo frĂŒher im Stadion die Trikots gewaschen wurden und nun GĂ€ste bedient werden, fleissig Bier ausgeschenkt. Oder zumindest wird es versucht. Ob der Zapfhahn klemmt oder das Problem am Personal liegt, ist nicht ĂŒberliefert. Den Kloten-Fans ist die Warteschlange jedenfalls egal. Es wird munter gefeiert, gegrölt und geschnupft. Einer steht mit einem breiten Grinsen in einer Ecke und sagt: «FĂŒr solche Momente sind wir aufgestiegen.»

Obwohl krasser Aussenseiter, gewinnt Kloten das erste Aufeinandertreffen gegen die ZSC Lions nach viereinhalb Jahren. WĂ€hrend es nach dem 2:1-Erfolg von den StehplĂ€tzen «Derby-Sieg! Derby-Sieg!» hallt, gerĂ€t Captain Steve Kellenberger kaum mehr aus dem SchwĂ€rmen heraus. Seine Augen funkeln. «Ich habe vor der Saison gesagt: Das Geilste werden die Derbys sein. Auf sie freue ich mich am meisten. Wenn beide Fangruppierungen fĂŒr Stimmung sorgen, gepfiffen wird und die Leute auf den SitzplĂ€tzen richtig mitgehen, geht man noch motivierter ans Werk. Man hat gesehen, wie wichtig die Zuschauer sind und was sie bewirken können.»
Das 212. Derby vor 7312 Fans bietet alles, was das Hockeyherz begehrt. Die AtmosphĂ€re in der Stimo-Arena ist von Beginn an elektrisierend. Schon beim Warm-up werden die ZSC Lions mit Pfiffen eingedeckt. Erst recht, als der Speaker den Namen von Denis Hollenstein verkĂŒndet. Der StĂŒrmer tritt zum ersten Mal im ZSC-Dress gegen seinen Stammclub an. 2017, als Hollensteins Wechsel publik wurde, verteilte die Gruppierung «Stehplatz Schluefweg» Flyer mit der Überschrift «Aufs falsche Ross gesetzt» und kritisierte darin den damaligen Captain. Auch mit SpruchbĂ€ndern machten die Fans ihrem Ärger Luft. Dass Hollenstein seinen Wechsel mit den Worten erklĂ€rte, das gehöre halt zum Business, stiess vielen sauer auf.
Der NationalstĂŒrmer vermag bei seiner RĂŒckkehr keine Akzente zu setzen. Im Fokus stehen andere. David Reinbacher etwa. Nach zehn Minuten touchiert der Klotener Verteidiger ZSC-Goalie Ludovic Waeber. Bereits kochen die Emotionen ein erstes Mal ĂŒber. Garrett Roe stĂŒrmt auf Reinbacher los, wird dann aber von Marc Marchon und schliesslich von Kellenberger abgefangen. «Plötzlich kamen sie auf mich los, ich wollte mich schĂŒtzen», sagt Reinbacher. «Ich versuchte einfach, mein Spiel zu machen. Als Junger muss man hartnĂ€ckig sein. Ich glaube, die anderen mögen es nicht, wenn man frech ist oder auftrumpft.»
«Nichts Unfaires dabei»
Letztlich ist es Phil Baltisberger, der den Verteidiger von hinten umreisst. «Ich hatte den Eindruck, er berĂŒhrte den TorhĂŒter. Da musste ich einschreiten. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz. Dass Reinbacher erst 17 ist, tut nichts zur Sache. Er spielt im Erwachseneneishockey», betont Baltisberger, beschwichtigt aber sogleich. «Alles gut, ich kenne ihn. Wir haben denselben Agenten. Zudem habe ich erst gar nicht realisiert, wer er ist.»

FĂŒr Kellenberger ist klar, dass sich in den vergangenen viereinhalb Jahren ohne Derbys einfach vieles aufgestaut hat und es deshalb zur Keilerei kam. «Auch wenn â€čScheiss-Klotenâ€ș skandiert wird: Man hat jetzt gesehen, dass es diese Derbys in ZĂŒrich einfach braucht. Dass man sich gegenseitig Nettigkeiten austauscht und markiert wird, gehört dazu. Es war nichts Unfaires dabei.»

«Auch wenn «Scheiss-Kloten» skandiert wird: Man hat jetzt gesehen, dass es diese Derbys in ZĂŒrich einfach braucht.»
Kloten-Captain Steve Kellenberger

2018 verhöhnte Baltisberger anlĂ€sslich der StadtzĂŒrcher Meisterfeier den Absteiger. Mittlerweile sei das kein Thema mehr. «Die meisten haben das gar nicht mehr im Kopf. Zudem ist Kloten ja jetzt wieder da. Und das ist im Sinne aller», sagt der Verteidiger mit einem LĂ€cheln. «Unser Spiel war sicher nicht gut. DafĂŒr die Stimmung im Stadion. Es ist cool, sind die Derbys zurĂŒck.»
Bis zum ersten Tor mĂŒssen sich die Zuschauer 46 Minuten lang gedulden. Dann trifft Klotens Dario Meyer in Überzahl. «Die Zuschauer sind förmlich explodiert. Das war einfach nur geil», freut sich Kellenberger. Er spricht von der stĂ€rksten Saisonleistung, ist stolz, dass Kloten auf das aberkannte 2:0 und den Ausgleichstreffer der GĂ€ste postwendend reagieren konnte und Miro Aaltonen doch noch den Sieg sicherstellte. Auch der Finne zeigt sich beeindruckt, spricht von unglaublichen Emotionen, wie er sie nie zuvor erlebt habe.

Es ist Klotens 114. Derby-Erfolg. Ebenfalls bemerkenswert: Nach den Siegen gegen die SCL Tigers und Ajoie hat das Team von Jeff Tomlinson, das allerdings noch immer am Tabellenende liegt, nun zum dritten Mal in Folge vor eigenem Anhang gewonnen.
WÀhrend die ZSC Lions am Dienstag in Altstetten auf Lugano treffen, steht Kloten erst am kommenden Samstag auswÀrts in Bern wieder im Einsatz. Das nÀchste Derby findet dann am 9. Dezember erstmals in der Swiss-Life-Arena statt. Emotionen sind garantiert.
 
Da lĂ€ufts einem kalt den RĂŒcken runter, wenn einer wie Aaltonen agt, dass er solche Emotionen noch nie erlebt hat. Ekstase pur gestern, als nach dem 2. Ofen sogar die SitzplĂ€tzer abgegangen sind und mitgehĂŒpft sind. Scheiss die Wand an, sowas habe ich in ĂŒber dreissig Jahren auch nicht erlebt.
Oh ja, das bin ich allerdings! Und ich hab auch von der ersten Minute an ganz in Derby-Manier nicht mit GastUnFreundlichkeit gegeizt! 😉😂😂
 

Salatsauce

FlaschenfĂŒller
Da lĂ€ufts einem kalt den RĂŒcken runter, wenn einer wie Aaltonen agt, dass er solche Emotionen noch nie erlebt hat. Ekstase pur gestern, als nach dem 2. Ofen sogar die SitzplĂ€tzer abgegangen sind und mitgehĂŒpft sind. Scheiss die Wand an, sowas habe ich in ĂŒber dreissig Jahren auch nicht erlebt.
Insgeheim erhoffe ich mir seit Ende dieses Spiels bereits, dass die Stimmung an diesem Abend genau diese Emotionen in unseren auslĂ€ndischen ZuzĂŒgen ausgelöst hat, bzw. aufgezeigt hat, dass sie hier nicht in irgend einem kalten seelenlosen Club gelandet sind wo man einem semi-interessierten Publikum eine Hintergrundhandlung zu ihren SitznachbargesprĂ€chen und HandyaktivitĂ€ten bieten muss, bis man dann eines Tages wieder in einem richtigen Club spielen darf. Ich hoffe das Ganze hat markant dazu beigetragen dass nun der Knopf endgĂŒltig aufgeht und man nochmal eine ordentliche Schippe drauflegt in den kommenden Spielen. Genau solche Aussagen bestĂ€rken mich in der Ansicht, was fĂŒr einen immensen Einfluss die Zuschauer auf ein Spiel und die Spieler haben können. Ich hoffe, wir dĂŒrfen sowas noch öfter erleben diese Saison!
 
Thomas Matter, der SVP clown als neuer AktionÀr?
Das hat mit Köppel schon nie geklappt..
Die Politik(er) sollten sich aus dem Sport raushalten.
Störend finde ich auch, dass sÀmtliche Investoren / Besitzer / AktionÀre / VR, etc im Eishockey der SVP angehören zu scheinen...
 
Thomas Matter, der SVP clown als neuer AktionÀr?
Das hat mit Köppel schon nie geklappt..
Die Politik(er) sollten sich aus dem Sport raushalten.
Störend finde ich auch, dass sÀmtliche Investoren / Besitzer / AktionÀre / VR, etc im Eishockey der SVP angehören zu scheinen...
Matter war schon mal zu Gaydoul-Zeiten dabei. Von daher nichts neues. Mich stört die Parteizugehörigkeit nicht, so lange das Parteiprogramm (völlig egal von welcher Partei) nicht ĂŒber den Club gestĂŒlpt und hinausgetragen wird.
 
Thomas Matter, der SVP clown als neuer AktionÀr?
Das hat mit Köppel schon nie geklappt..
Die Politik(er) sollten sich aus dem Sport raushalten.
Störend finde ich auch, dass sÀmtliche Investoren / Besitzer / AktionÀre / VR, etc im Eishockey der SVP angehören zu scheinen...
Ich verstehe die BefĂŒrchtungen, aber im Vergleich zu Köppel ist mir Matter schon fast sympathisch und solange die Partei zu Hause bleibt, wenn's um den Club geht, dann kann ich damit leben. Die Partei des Volkes, hat halt schon den einen oder anderen MillionĂ€r in den eigenen Reihen, da wird es bei den Linken schon schwieriger einen potenten AktionĂ€r zu finden, der auch gewillt ist in ein Sportverein einzusteigen...
 
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